Strategien für eine schöne Stadt – Wien-Bilbao-Berlin im Gespräch

Strategien für eine schöne Stadt – Wien-Bilbao-Berlin im Gespräch

Mehr nachhaltige Pflege für den öffentlichen Raum Berlins gefordert

„Eigenverantwortung der Bürger*innen ist unverzichtbar für die Sauberkeit und Attraktivität Berlins“, so Beate Ernst, Vorsitzende des wirBERLIN e.V., „Gleichzeitig muss aber auch mehr für die nachhaltige Pflege des öffentlichen Raums durch die Verwaltung getan werden. Das wird nicht ohne eine Veränderung der finanziellen Prioritäten in den öffentlichen Haushalten gehen“.
Dieses Fazit zieht wirBERLIN e.V. nach einem Podiumsgespräch, bei dem über den Berliner Tellerrand hinaus nach Lösungswegen für eine schönere und attraktivere Stadt gesucht wurde. Beispielgebend berichteten Vertreterinnen der Städte Wien und Bilbao, wie sie es schafften, ihren öffentlichen Raum attraktiver und sauberer zu machen.

Mehr Zivilcourage

Dr. Martina Ableidinger, Leiterin der Abfallwirtschaft und Straßenreinigung, betonte in ihrem Impulsreferat für die Stadt Wien, dass für den Wandel zu mehr Sauberkeit ein neuer Denkansatz notwendig war. Das Thema Stadtsauberkeit wurde auf drei Säulen gestellt – mehr Infrastruktur in Form von ausreichend großen und gut sichtbaren Papierkörben und Spendern für Hundekottüten, gezielte Aufklärung und Bürgerbeteiligung sowie neue gesetzliche Rahmenbedingungen, die auch eine wirkungsvolle Ahndung von Vergehen gegen die Stadtsauberkeit möglich machen. Speziell geschulte „Waste Watcher“ sind seitdem in der Stadt unterwegs, um aufzuklären, zu mahnen und nötigenfalls auch Strafmandate auszusprechen. Mehr Courage, für ein gepflegtes Stadtbild einzutreten, sei inzwischen selbstverständlicher geworden.

Mitbestimmung und Eigenverantwortung

Die baskische Stadt Bilbao hat ein ganzes Bündel von Maßnahmen gestartet, um die Stadt schöner und attraktiver zu machen. Eine wesentliche Neuerung für Bilbao war die gezielte Einbeziehung der Bürgerschaft in die Umgestaltung z.B. von sozial schwierigen Stadtteilen. „Nur wer sich selbst mitverantwortlich fühlt für seine Umgebung“ so Marta Barco Mondragon, Direktorin für Stadtreinigung und Lebensqualität der Stadt „ist letztlich auch bereit, die Dinge zu pflegen und auf ihren Erhalt zu achten“. Bei Investitionen für den öffentlichen Raum werde immer darauf geachtet, dass das neu geschaffene auch nachhaltig gepflegt werden könne. So gebe die Stadt einen vergleichsweise sehr hohen Anteil ihres Haushaltes nur für die Erhaltung der Schönheit des öffentlichen Raumes aus. Darüber hinaus wurde den Bürgern mit modernen Kommunikationsmöglichkeiten wie einer App ermöglicht, sich unkompliziert zu beteiligen und z.B. kaputte Parkbänke, Müllecken oder nicht funktionierende Straßenlaternen an die Reparaturbetriebe zu melden.

Lobby für den Erhalt öffentlicher Räume

Auch die Vertreter Berlins, für die Berliner Stadtreinigungsbetriebe Birgit Nimke-Sliwinski, für den Senat Beate Profé und die Bezirke der Bezirksstadtrat für Wirtschaft und Stadtentwicklung in Marzahn – Hellersdorf, Christian Gräff, sahen neben einer besseren Beteiligung der Bürger*innen eine Kehrtwende im Focus auf die Neuanlage von öffentlichen Räumen als notwendig an. Es sei viel zu lange auf Neuanlage von öffentlichen Plätzen und Grünanlagen gesetzt worden, der Etat für die Pflege und deren Erhalt aber immer weiter zurück gefahren worden. Dies hätte zu der derzeitigen Situation geführt, dass viele Grünanlagen nicht nachhaltig gepflegt werden könnten. Deshalb versuche die Verwaltung nun als Test die Zuständigkeiten zwischen Grünflächenämtern und BSR neu zu ordnen, so dass die BSR an ausgewählten Flächen die Reinigung der Anlagen übernehme, damit die Grünflächenämter wieder ihrer eigentlichen Aufgabe der Grünpflege nachkommen könnten. „Wir brauchen wieder eine Lobby für den Erhalt der öffentlichen Räume“ – so Christian Gräff.

Hürden überwinden und Gemeinschaft pflegen

Die ebenfalls anwesenden Initiativen Markusgarten aus Steglitz und Arnswalder Platz aus Pankow betonten, dass es wichtig sei, Hürden zu überwinden – den richtigen Ansprechpartner in den Verwaltungen zu finden und dann vertrauensvoll zusammen zu arbeiten. Dann könne bürgerschaftliches Engagement helfen, ein attraktiveres Stadtbild zu erreichen. Grenzen habe dieses Engagement allerdings dann, wenn größere Arbeiten, wie z.B. das Schneiden von hohen Hecken gefragt sei. Hier müsse es möglich sein, Unterstützung von den Grünflächenämtern zu bekommen, fordert Carsten Meyer von der Initiative Arnswalder Platz. Ein sehr schöner Nebeneffekt der gemeinsamen Arbeit darüber hinaus: „seit wir gemeinsam im Markusgarten arbeiten, habe ich viele Nachbarn aus meinem Stadtviertel kennengelernt – plötzlich ist das Wohnumfeld nicht mehr anonyme Großstadt, sondern man redet miteinander, wenn Nachbarn sich auf der Straße treffen“, so Elke Lübbeke von der Initiative Markusgarten.



02.03.2016

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Datum: 02.03.2016
Partner: Konrad-Adenauer-Stiftung
Ort: Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung

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