Spannungsfelder moderner Stadtgestaltung – Wie können wir städtische Freiräume effektiver nutzen für Spiel, Sport und Bewegung

Spannungsfelder moderner Stadtgestaltung – Wie können wir städtische Freiräume effektiver nutzen für Spiel, Sport und Bewegung

Über einhundert Gäste erlebten auf dem Fernsehturm bei bester Aussicht auf einen grandiosen Sonnenuntergang eine spannende Diskussionsrunde. Eingeladen hatten die BR Volleys, der Verein wirBERLIN e.V. und der Gastgeber Berliner Fernsehturm. Auf dem Podium diskutierten

  • Christian Gaebler, Staatsekretär für Sport in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport
  • Prof. Dr. Angela Million, TU Berlin
  • Ingo Malter, Geschäftsführer STADT UND LAND Wohnbauten Gesellschaft
  • Birgit Funke, Mitglied des Vorstandes bwgt e.V.
  • Beate Ernst, Vorsitzende wirBERLIN e.V.

Die Aufgabe des Abends bestand darin, dass Thema von verschiedenen Positionen aus zu betrachten. Einig waren sich zunächst alle Beteiligten darüber, dass in der wachsenden Stadt Berlin die Anforderungen an öffentliche Flächen im Freien komplexer werden, nach erhöhtem Sport und Bewegungsbezug verlangen und dass die Akzeptanz verschiedenster Nutzergruppen sich anpassen muss. Viele Menschen wollen sich dem Alltagsstress entziehen und betrachten Grünflächen heute als das neue Wohnzimmer den neuen Sportplatz. Dabei spielt die Aufenthaltsqualität eine große Rolle.

Während der Vertreter der Politik den Aspekt Bewegung und Gesundheit in den Mittelpunkt stellte, ging es der Vertreterin der Wissenschaft vor allem auch darum, dass „es in der Gestaltung des öffentlichen Raumes manchmal darum geht, fast nichts zu tun und das auf höchstem Niveau.“ Auch Beate Ernst von wirBERLIN e.V. forderte eine Neuausrichtung der Politik, der Verwaltung, des haushaltspolitischen Rahmens, denn nur so könne man den veränderten Bedürfnissen gerecht werden.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen stärker zu berücksichtigen war ebenfalls Diskussionsgegenstand. Und sicher hat Ingo Malter recht, wenn er darauf hinweist, dass Freiräume allein nicht glücklich machen und dass man bei der Ausprägung von Freiraum im urbanen Bereich stärker auf Qualität geachtet werden muss und nicht nur auf reine Quadratmeterzahlen.

Schon wenn man sich vor Augen führt, von welch unterschiedliche Nutzergruppen man hier redet, wird die Komplexität der Aufgaben deutlich.

Dass Kinder entsprechende Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten benötigen, ist unumstritten – nicht deswegen wird gerade in Berlin mit großem finanziellem Aufwand eine Spielplatzsanierung in allen Bezirken durchgeführt. Aber auch Jugendliche benötigen ihre eigene Bewegungswelt, wollen häufig keine Sportanlagen, sondern freie Räume nutzen.

Für Erwachsene wiederum ist Sport und Bewegung immer häufiger ein Ausdruck ihres Lebensstils. Vor allem sie beklagen sich oft über den ungepflegten, nicht sauberen Zustands des öffentlichen Raumes.

Für ältere Menschen mit entsprechend geringerem Aktionsradius stellen sich noch ganz andere Anforderungen, sie wollen in Bewegung bleiben und Orte zum Kommunizieren haben. Dies sind lebenswichtige Anforderungen und dies gilt erst recht für Menschen mit Behinderung, denn schwer begeh- und befahrbare Verweilorte verhindern notwendige Begegnungen.

Entsprechend einig war man sich dann auch, dass städtische Freiräume für alle diese Nutzergruppen vorhanden sein müssen und dass sich die Menge und die Qualität den veränderten Bedürfnissen aller Beteiligten anpassen müssen. Natürlich war eine Einigung über den Weg dorthin nicht wirklich herstellbar. Zu weit liegen die Interessen der Beteiligten und die Möglichkeiten des Wirkens auseinander. Immerhin konnte der Verein bwgt e.V. gelungene Beispiele im Stadtraum aufzeigen und es bestand Einigkeit darüber, dass die Verwaltung und die Planer verbesserte Voraussetzungen schaffen müssen und dass die Eigenverantwortung der Nutzer ein wesentlicher Bestandteil für zukünftige Regelungen sein müssen.


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27.03.2017

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Datum: 27.03.2017
Partner: BR Volleys, TV Turm Alexanderplatz
Ort: Berliner Fernsehturm